· 

Gibt es ein Leben ohne Facebook?

Egal ob Selfpublisher oder Verlagsautor - man muss bei Facebook und Co. sein, um Leser*innen zu erreichen und seine Bücher zu bewerben. Manche Verlage verlangen das sogar von ihren Autorinnen und Autoren.

 

Na gut, dachte ich mir, dann mache ich das auch, und habe mit Erscheinen meines ersten Kriminalromans ("Verletzung", aber das wissen Sie ja ohnehin) zusätzlich zu meinem privaten Account auch noch einen Autorinnen-Account bei Facebook angelegt. Und dann stand ich vor einem großen Problem: Was zum Teufel schreibe ich dort? Mein Leben ist leider (oder zum Glück?) nicht so aufregend, dass ich ständig neue Lach- und Sachgeschichten präsentieren könnte, und ständig nur Werbung für meine Bücher will ich auch nicht machen. Um ehrlich zu sein, geht es mir sogar ziemlich auf den Senkel, wenn bei manchen meiner Kolleg*innen gefühlte 50 bis 75% der Beiträge nur aus Werbung für ihre Bücher bestehen.

Klar könnte ich pausenlos Fotos meiner Hühner und Katzen posten (Cat-Content bringt Klicks!!!) aber auf Dauer ist auch das stinklangweilig. Zumindest meiner Meinung nach. Die Mischung macht's, dachte ich mir deshalb und habe von allem etwas gepostet. Hier mal ein Foto von einer Lesung, dort Bilder von der privaten Bergtour, das druckfrische Cover meines neuen Krimis - und zwischendurch Katzen und Hühner in diversen Blumentöpfen.

 

Das Ergebnis war ernüchternd.

 

Nach vier Jahren hatte meine Seite sage und schreibe 222 Likes und die Reichweite der Beiträge lag im aller-aller-aller-günstigsten Fall bei hundert und ein paar Zerquetschten, meistens aber im zweistelligen Bereich. Kurz gesagt: Mein Autorinnenauftritt bei Facebook ist als Marketinginstrument vollkommen untauglich. Natürlich könnte ich Reichweite kaufen, was ich zwischendurch auch versucht habe. Aber die Reichweite ist natürlich abhängig vom Geldfluss. Sobald von mir keine Kohle mehr zu Facebook fließt, verschwindet meine Seite wieder in der Unsichtbarkeit.

 

Und nicht nur das.

 

Ich habe festgestellt, dass ich mir von Facebook nicht nur viel zu bereitwillig die Zeit klauen lasse, sondern dass mich jeder Besuch niedergeschlagen zurück lässt. Das liegt aber nur zu einem kleinen Teil an der Erfolglosigkeit meiner Autorinnenseite (okay, sie wäre vielleicht erfolgreicher, wenn ich mehr Talent zur Social-Network-Selbstdarstellung hätte, vielleicht aber auch nicht, schließlich kennt mich ja kaum jemand, aber damit habe ich mich abgefunden); aus irgendeinem Grund zieht es mich runter, wenn ich durch meine Timeline scrolle und lese, was bei anderen so passiert. Wenn ich mein Leben dagegen ansehe ... Manchmal schäme ich mich regelrecht dafür, dass es bei mir so ereignislos und langweilig zugeht und ich nicht von irgendwelchen Auszeichnungen oder eindrucksvollen Zeitungsartikeln und Interviews berichten kann.

 

Ende 2019 habe ich deshalb die Reißleine gezogen und meinen Facebook-Account deaktiviert - und was soll ich sagen: Es wirkt. Zu meiner Überraschung vermisse ich Facebook überhaupt nicht. Natürlich ist es auch schade, weil ich so den Kontakt zu den Menschen verliere, zu denen ich nur über Facebook Kontakt hatte, aber mir geht es durch die Abstinenz tatsächlich besser und ich habe wieder mehr Zeit für das richtige Leben.

 

Also ja, es gibt ein Leben ohne Facebook. Und es fühlt sich richtig gut an.